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E.T.A. Hoffmanns Nubknacker und Mausekonig ist im allgemeinen Bewusstsein nicht zuletzt dank der Ballettbearbeitung von Tschaikowski als Weihnachtsgeschichte verankert. In den zahlreichen literaturwissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Marchen wird allerdings auf die Bedeutung, die dem Weihnachtsfest im Rahmen der Handlung zukommt, bislang kaum eingegangen. Die vorliegende Arbeit will versuchen, diese Lucke zu schlieben und zeigen, dass Weihnachten nicht einfach nur die Kulisse fur Hoffmanns Marchen abgibt, sondern fur die Intention, die Hoffmann mit der Geschichte verbindet, geradezu konstituierend ist. Weihnachten ist heutzutage ohne Frage das wichtigste Familienfest in Deutschland. Die spezielle Form, in der Weihnachten gefeiert wird, gepragt von Besinnlichkeit, Intimitat und Sentimentalitat und als "Fest des Kindes", hat sich vor allem im spaten 18. und fruhen 19. Jahrhundert herausgebildet. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem allgemeinen Prozess der gesellschaftlichen Modernisierung und zwar vor allem im Hinblick auf die Etablierung der burgerlichen Kleinfamilie, die sich im Weihnachtsfest auch ihrer eigenen Werte und Lebensformen versichert, und die Entstehung einer neuen Sichtweise auf Kinder und Kindheit, denen in der Romantik unter anderem eine besondere, enge Beziehung zum Wunderbaren zugeschrieben wurde. Dabei bietet Weihnachten einen Raum, in dem, in einem von Vernunft und Rationalitat bestimmten burgerlichen Umfeld, Wunderglaube, etwa in Figur des Christkinds, von Erwachsenen fur die Kinder inszeniert wird. Hoffmanns Marchen stellt den Zusammenstob der rationalen Erwachsenenweltmit einer irrationalen Welt dar und es bietet Kindern und Erwachsenen verschiedene Lesarten an, was den Ausgang dieser Konfrontation angeht. So kann man das Ende durchaus als die Schilderung von Maries Tod nach einer schweren psychischen Krise verstehen, die durch den Widerspruch zwischen der eigenen wunderbaren Wahrnehmung der Ereignisse und der von der Vernunft bestimmten Welt der Erwachsenen ausgelost wurde. Vor diesem Hintergrund ist es dann kein Zufall mehr, dass Hoffmann die Handlung in die Darstellung eines Weihnachtsfests eingebettet hat. Gerade an einem Ort, an dem sich die burgerliche Familie sich ihrer selbst versichert, schafft er Verunsicherung, wo das Wunderbare in idyllischer Form zugelassen ist, lasst er es in Form des schrecklichen Mausekonigs auftreten, am Fest des Kindes wird die psychische Krise und der Tod eines Kindes geschildert. Hoffmann zeigt im Nu bknacker und Mausekonig, dass die Tendenz des Burgertums, das Wundebare nur domestiziert, in genau abgegrenzten Bereichen des kindlichen Erlebens zuzulassen und sogar zu fordern und gleichzeitig von den Kindern eine Orientierung in der von Rationalitat gepragten Welt der Erwachsenen zu verlangen, die Kinder uberfordern kann.
 
 
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